Der tägliche Wahnsinn eines Sachverständigen

Fränglisch + Tatwaffe: Handtasche

Bernd´s Welt

Letzten Freitag war wieder mal so ein Tag.

Meine Assistentin sagte mir am Donnerstag abend, dass mein erster Termin in der Kolumbianischen Botschaft in Frankfurt ist und der Versicherungsnehmer sofort angemerkt hat: „No German at all!“

Nun gehöre ich zu der Generation die das gleiche über Englisch sagt. Aber hier muss ich „Mut zur Lücke haben“ und zudem: Fränkisch ist ja ein bißchen wie Englisch. Schon der Einlaß ist schwierig, denn auch der Portier spricht nur Englisch und Spanisch. Dieses Mal habe ich Glück. Mit mir kommt ein weiterer Botschaftsbesucher, der sowohl Spanisch wie Deutsch spricht und für mich dolmetscht. Diesen Job übernimmt er oben am Empfang noch einmal.

Als mein freundlicher Kunde zum Empfang kommt, wiederholt er als erstes: „Sorry, no German at all.“ Meine Antwort lautete: „No Englisch at all.“, und so lächeln wir uns an und er signalisiert mir, ihm zu folgen.

Gott-sei-Dank hatte ihm meine Assistentin, die der englischen Sprache mächtig ist, bereits gesagt, was ich benötige und erledigen muss.

Ich folge ihm auf die Straße um den Schaden am Auto zu begutachten. Letztlich muss ich auch den Schadenhergang recherchieren – wie jetzt? Wieder habe ich Glück und ein weiterer Besucher der Botschaft bekommt mit, welche Schwierigkeiten wir Beide mit der Verständigung haben. Er bietet uns ebenfalls seine Hilfe als Dolmetcher an, was wir gerne annehmen. Letztlich alles gut gegangen und zudem: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Danach Weiterfahrt zu einer Gegenüberstellung. Hier ist die Aufgabe Plausibilität und Kompatibilität zu prüfen, zumeist von zwei PKWs. Dieses Mal soll der Schaden durch eine Handtasche entstanden sein, so dass ich den Verursacher mit Handtasche und den Antragsteller (AST) mit Auto benötige.

Bei meiner Ankunft sind alle Beteiligten und die gewünschten Gegenstände da. Nun muss der Schadenhergang nachgestellt werden, so dass ich mir ein Bild von dem Schaden machen kann. Es ist alles plausibel und ich kann dem AST die Regulierung zusagen. Sehr oft ist es meine unschöne Aufgabe bei Gegenüberstellungen, dem AST mitzuteilen, dass seine Ansprüche abgelehnt werden.

Jetzt folgen noch drei weitere Standard-Termin und nach acht Stunden und 380 Fahrkilometer bin ich wieder im Büro. Feierabend ist aber noch nicht, denn jetzt müssen die Schäden kalkuliert und später die Gutachten versandt werden.

Letztlich – ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag.

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